Aktuelles

Heim-Macht gegen Auswärts-Könige: Fortuna will die Fohlen zähmen

Von Stefan Kleefisch

Die beste Heimmannschaft der Regionalliga West trifft auf die beste Auswärtself. Oder anders gesagt: Fortuna Köln empfängt die Fohlen. Ein pikantes Duell, schließlich brachte die U23 von Borussia Mönchengladbach der Mannschaft von Matthias Mink bislang die einzige Saisonniederlage bei. Zeit, dass sich das ändert, am Samstag ab 14 Uhr im Kölner Südstadion. Von einer Revanche will der Fortuna-Trainer allerdings nichts wissen.

„Natürlich haben wir dieses Spiel noch einmal thematisiert, wir lagen nach einer Ecke und einer Umschaltsituation schnell 0:2 hinten“, sagt Mink. „Von Revanche zu sprechen, ist aber der falsche Ansatz. Mir geht es eher darum, die Chance zu sehen, im Vergleich zur Vorrunde etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Jetzt können wir den Sieg in Bochum vergolden.“ Aus einem Punkt in der Hinrunde könnten im direkten Vergleich nun sechs werden. Drei davon sind nach dem späten Erfolg im Ruhrstadion bereits im Sack.

„Das war ein extrem wichtiger Sieg“, betont Mink. „Nach einer Pause weiß man vor dem ersten Pflichtspiel nie genau, wo man steht. Auch die Trainingsbedingungen in der Woche zuvor waren nicht optimal. Dafür haben wir es sehr gut gemacht. Spielerisch war noch Luft nach oben, was aber erklärbar ist. Gefühlt hatten wir 20 Standardsituationen. Umso wichtiger war es, dass wir am Ende noch den Lucky Punch setzen konnten. Ein Spiel in der Nachspielzeit zu gewinnen, das war uns in dieser Saison bislang noch nicht gelungen. Das ist ein Erlebnis, das haften bleibt.“

Das Hinspiel gegen die Borussia ist der Fortuna noch in unguter Erinnerung. Der Knockout kam in der Nachspielzeit, bitterer und ungerechter kann man ein Spiel kaum verlieren. Die Kölner diktierten im Grenzlandstadion das Geschehen, erspielten sich deutlich mehr Chancen und wurden in der sechsten Minute der Nachspielzeit in Überzahl tief ins Mark getroffen. Nachdem die Fortuna einen 0:2-Rückstand aufgeholt hatte, erzielte Oguzcan Büyükarslan per Bilderbuchkonter das schmeichelhafte 3:2 für die kleinen Fohlen. Hätte Max Fischer in der 89. Minute nach einem Freistoß von Adrian Stanilewicz nicht nur den Pfosten getroffen, wären wohl sogar drei Zähler mehr möglich gewesen.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Es blieb bis heute die einzige Saisonniederlage der Kölner Südstädter, die nun im Heimspiel nur allzu gerne den Spieß umdrehen würden.

„Moralisch kann man dem Team ohnehin nichts absprechen, wir haben einen richtig guten Spirit. Aber so ein ganz spätes Tor gibt nochmal Aufwind. Gefühlt sind alle auf den Platz gerannt, das zeigt, wie sehr die Mannschaft als Einheit funktioniert und wie wichtig dieser Sieg war. Ich erwarte ein sehr enges Spiel gegen einen richtig guten Gegner. Wir als Mannschaft haben gegen Sie noch etwas gutzumachen, da ist eine Rechnung offen. Ich erwarte ein starkes Spiel von uns", sagt Innenverteidiger David Al-Azzawe im Rückblick auf Bochum und im Hinblick auf die Fohlenelf.

Bei Borussia Mönchengladbach herrschte in dieser Spielzeit vor allem auf der Trainerbank Bewegung. Das Rotationsprinzip spülte Eugen Polanski auf den Chefsessel der Profis, zwischenzeitlich betreute Sascha Eickel die U23. Sein Engagement war jedoch nur eine Übergangslösung: Seit Januar konzentriert sich Eickel wieder auf seine Aufgabe als Sportlicher Leiter der U19 und U23. Mit Oliver Kirch wurde das Stühlerücken vorerst beendet. Der 43-Jährige wurde kurz nach dem Jahreswechsel als offizieller Polanski-Nachfolger präsentiert. Zuvor war der Ex-Profi für die U19 der Borussia verantwortlich.

Anpassungsprobleme sind für Kirch kaum zu erwarten. Mehr als die Hälfte des aktuellen Kaders betreute er seit 2023 bereits selbst, allein vor dieser Saison rückten neun Talente aus den A-Junioren in die U23 auf. Das Pflichtspieldebüt des neuen Trainers misslang allerdings: Zum Start ins Jahr 2026 unterlagen die Jungfohlen dem Bonner SC mit 1:2. Bei einer weiteren Niederlage im Südstadion würde Rang eins für Gladbach vorerst in weite Ferne rücken.

Personell gab es im Winter nur wenige Veränderungen. Ausgerechnet Oguzcan Büyükarslan, der Torschütze des 3:2 gegen Fortuna, verließ den Verein und schloss sich dem Tabellenletzten SSVg Velbert an. Innenverteidiger Tyler Meiser fehlt in Köln aufgrund einer Rotsperre. Bester Torschütze ist weiterhin Jan Urbich mit elf Treffern, der zwischenzeitlich auch drei Kurzeinsätze in der Bundesliga absolvierte. Bester Vorlagengeber ist Nico Vidic mit sechs Assists.

„Das ist eine hochtalentierte Mannschaft mit vielen starken Einzelspielern und U-Nationalspielern“, warnt Mink. „Jan Urbich ist ein absoluter Highlight-Spieler. Charles Herrmann, der Sohn von Charles Akonnor, ist ein Ausnahmespieler. Auch Fritz Fleck ist außergewöhnlich gut. Ich könnte noch weitere Namen aufzählen. Die individuelle Qualität ist sicher noch einmal höher als bei der U23 des VfL Bochum. Wenn wir die direkten Duelle auf dem Platz positiv gestalten, haben wir schon viel erreicht.“

 

 

Kategorien:
  • Aktuelles
  • Meldung