Die Hinrunde ist beendet und die U19 hat sich seit dem Winter in der Bundesliga als Aufsteiger wacker geschlagen. Aktuell wäre die Fortuna auch in der kommenden Saison für die DFB-Nachwuchsliga qualifiziert. Trainer Timo Westendorf zieht im Interview ein Zwischenfazit.
Platz drei nach der Hinrunde in der DFB-Nachwuchsliga, Hauptrunde Liga B, Gruppe F. Aktuell wäre die Fortuna für die Bundesliga qualifiziert. Wie bewertest du die Situation?
„Das wäre natürlich eine großartige Geschichte für den Verein. Platz drei nach der Hinrunde ist aber zunächst einmal nur eine Momentaufnahme. Der Weg ist noch lang und wird schwierig. Unser Vorsprung beträgt lediglich einen Punkt, daher sind wir keineswegs in sicherem Fahrwasser. Insgesamt bin ich dennoch zufrieden, weil wir konkurrenzfähig sind und uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet haben. Für eine abschließende Bewertung ist es allerdings noch zu früh.“
Ihr messt euch, mit Ausnahme von Oberhausen, ausschließlich mit Nachwuchsleistungszentren. Wie gelingt es euch, diese strukturellen Nachteile sportlich auszugleichen?
„Wir haben definitiv infrastrukturelle und organisatorische Nachteile. Gleichzeitig kann genau das auch ein Vorteil sein: Unsere Wege sind kurz, vieles ist weniger komplex organisiert. Natürlich müssen wir insgesamt mehr Aufwand betreiben. Ein Nachwuchszentrum ist aber keine Garantie für eine Top-Ausbildung. Wir haben in den vergangenen Jahren als Verein, nicht nur in der U19, sehr gute Arbeit geleistet. Besonders der 2007er-Jahrgang hat sich stark entwickelt, das hatten viele so nicht erwartet. Diese Fortschritte spiegeln sich nun auch in den Ergebnissen wider.“
Thema Platzproblematik: Zuletzt stand oft erst kurzfristig fest, wo ihr spielen könnt. Gegen Darmstadt wurde sogar einen Tag vorher das Heimrecht getauscht. Fühlst du dich von der Stadt allein gelassen?
„Teilweise sind das schon kuriose Situationen. Ständig gegen Widerstände anzukämpfen, schweißt uns als Team allerdings auch zusammen, das hat man besonders beim Sieg in Darmstadt gesehen. Der DFB gibt die Rahmenbedingungen vor, aber von Seiten der Stadt fühle ich mich häufig allein gelassen. Die Voraussetzungen am Jean-Löring-Sportpark sind maximal schwierig. Immerhin wurde der Platz inzwischen notdürftig instandgesetzt. Ich hoffe, dass wir in der Rückrunde im besten Fall auch wieder regulär Heimspiele austragen können.“
Worauf legst du inhaltlich Wert? Was zeichnet euren Spielstil aus?
„Für uns steht immer das Kollektiv im Vordergrund. Entscheidend ist, dass wir einen klaren Plan haben. Als Fortuna müssen wir großen Wert auf grundlegende Tugenden legen: hohe Intensität, Einsatzbereitschaft, Leidensfähigkeit und Leidenschaft. Dazu kommt eine gute Organisation gegen den Ball. Die Spieler brauchen klare Leitplanken. In der Hinrunde hatten wir häufig Gegner, die tief verteidigt haben, das haben wir gut gelöst. Jetzt stehen wir öfter unter Druck und haben weniger Ballbesitz. Auch damit müssen wir umgehen können.“
Was hat dir bislang besonders gefallen und wo siehst du noch Verbesserungsbedarf?
„Mir hat besonders gefallen, wie gut sich die Mannschaft an das höhere Niveau angepasst hat. Die Teams aus den Nachwuchsleistungszentren sind aufgrund ihrer Erfahrung meist ein bis zwei Prozent besser, das macht sich bemerkbar. Umso wichtiger ist höchste Konzentration. Bis auf die erste Halbzeit gegen Osnabrück, mit der ich nicht zufrieden war, sind wir stets auf Augenhöhe gewesen. Deutlich verbessern müssen wir uns jedoch in der Chancenverwertung. Sowohl gegen Viktoria als auch in Darmstadt hätten wir zur Pause führen müssen. Solche Spiele sind sehr eng, das kann schnell in die andere Richtung kippen. Aus dem Spiel heraus sind wir schwer zu knacken, aber bei Standards brauchen wir mehr Klarheit. Unser Ziel ist es, ein unangenehmer Gegner zu sein.“
Der April wird richtungsweisend: Spiele gegen den FSV Frankfurt und Oberhausen, dazu das Derby bei Viktoria und das Pokalspiel beim 1. FC Köln. Wie blickst du auf diese Phase?
„Zunächst können wir ein paar Tage durchschnaufen. Wir gehen weiterhin von Spiel zu Spiel. Schon die Zeit in der Mittelrheinliga war intensiv, weil wir dort praktisch jedes Spiel gewinnen mussten. Der Druck ist auch jetzt hoch, da, mit Ausnahme von Oberhausen, kein anderes Team absteigen kann. Das Pokalspiel beim 1. FC Köln sehen wir als Bonus, auf den wir uns sehr freuen.“