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Spieler der U23 im Porträt: Welche Rolle Uwe Koschinat beim Wechsel von Ibis Renda spielte…

Von Stefan Kleefisch
Ibis Renda ist der dienstälteste Spieler der U23. Der Serbe stieg mit der Fortuna in die Mittelrheinliga auf.

Der Ball ruht im Amateursport wegen der Corona-Pandemie seit Monaten. Nach einer abgebrochenen Saison 2019/20 mit nur 15 Partien konnte die U23 der Fortuna auch in dieser Spielzeit erst vier Meisterschaftsspiele in der Mittelrheinliga absolvieren. Spielern und Offiziellen fehlt der Kontakt untereinander und der Wettstreit auf dem Platz mit den gegnerischen Teams enorm. Zur Überbrückung, bis es hoffentlich endlich wieder los geht mit Training und Spielbetrieb, wollen wir Euch in loser Reihenfolge einmal die Spieler der U23 vorstellen. Vor allem wollen wir Euch den Menschen unter dem Trikot ein wenig näher bringen. Den Auftakt dieser Serie macht der dienstälteste Spieler der zweiten Mannschaft des Regionalligisten, Ibis Renda.

Mit seinen erst 26 Jahren ist der gebürtige Serbe der zweitälteste Spieler im Kader der U23. Und er ist mittlerweile der letzte Mohikaner aus dem Aufstiegskader der Saison 2018/19, als sich die Reserve der Südstädter mit dem vierten Aufstieg in sechs Jahren den Traum von der Zugehörigkeit zur Oberliga erfüllte. „Das war der dritte Aufstieg für mich als Fußballer. Zuvor war ich in Serbien mit der U18 und mit der B-Mannschaft meines Ex-Klubs aufgestiegen. Das war ein unglaublich tolles Gefühl. Das war eine super Saison. Das kann ich kaum in Worte ausdrücken. Die Aufstiegsreise nach Mallorca werde ich auch nie vergessen. Das erlebt man alles nicht so oft im Leben.“

Als Renda im Juni 2016 nach Deutschland übersiedelte, wusste er allerdings noch gar nicht, wohin ihn sein weiterer Weg sportlich und beruflich führen würde. „Ich habe damals zunächst zwei Jahre in einem Altersheim in Koblenz gearbeitet. Ich kannte nichts in Deutschland. Mir war alles fremd, die Sprache, die Kultur. Von den älteren Menschen habe ich viel gelernt“, sagt Renda heute, der seine ersten Schritte als Fußballer in good old Germany beim Bezirksligisten FC Metternich machte. Renda packte trotz der vielen Ungewissheiten an, genau wie auf dem Fußballplatz überzeugte er auch im harten Alltag durch Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit.

„Ich arbeite mittlerweile seit drei Jahren in einem Krankenhaus in der Kinderherzchirurgie. Ich fühle mich dort sehr wohl, wenngleich der Alltag nicht immer einfach ist. Zum Glück habe ich eine tolle Chefin und sehr nette Kollegen, die mir oft mit meinem Dienst entgegen kommen, damit ich weiter Fußball spielen kann“, berichtet Renda, der auch weiterhin sehr eng mit seiner alten Heimat verbunden ist. „Ich habe täglich Kontakt zu meinen Eltern. Meine Nichte ist eineinhalb Jahre alt, sie ist mein Ein und Alles. Ich sehe sie öfter per Videokonferenz. Meine Schwester schickt mir Fotos und ich mache regelmäßig Urlaub in Serbien.“

Dass Renda letztlich bei der Fortuna landete, daran ist ausgerechnet Uwe Koschinat „schuld“. Denn er gab den Tipp, und so wurde Renda schließlich vom Rheinlandligisten SG Mülheim-Kärlich verpflichtet. „Als mein damaliger Trainer Patrick Wagner-Galda gehört hat, dass ich aus beruflichen Gründen nach Bonn ziehe, hat er mir angeboten, sich für mich mal im Raum Köln umzuhören und mir bei der Suche nach einem neuen Verein zu helfen. Er kannte Uwe Koschinat gut aus alten Zeiten, und über den damaligen Cheftrainer der Fortuna habe ich dann die Chance für ein Probetraining bei der U23 erhalten. Rafael Iborra und Stefan Kleefisch haben sich damals sehr um mich gekümmert. Ich fühlte mich sofort super aufgenommen“, erinnert sich Renda, dass er sich direkt heimisch fühlte. „Ich habe schon beim ersten Training gemerkt, dass die Fortuna in Köln eine größere Nummer ist. Der ganze Verein war anders strukturiert, als ich es bis dato kannte. Ich war auch erstaunt, dass der Präsident Hanns-Jörg Westendorf regelmäßig bei unseren Spielen vor Ort war und er den Kontakt zu den Spielern suchte. Er war mir sofort sehr sympathisch.“

Mittlerweile hat Renda 38 Spiele (drei Tore, sieben Assists) für die U23 bestritten, vornehmlich auf der linken Abwehrseite. „Ich bin stolz darauf, dass ich der dienstälteste Spieler bin bei der U23 mit 26 Jahren, obwohl das ein wenig komisch klingt.“ Auf dem Feld ist Renda mit seiner Pferdelunge 90 Minuten rauf und runter unterwegs. Er schlägt starke Flanken, ist aber ab und an übermotiviert und überdreht in seinen Aktionen. Dennoch ist der fußballerische Heißsporn mit seiner Erfahrung ein wichtiger Bestandteil des Teams. „Ich bin in der Kabine und auch abseits des Platzes ein geselliger Typ. Aber auf dem Platz bin ich hundertprozentig bei der Sache. Ich kann nicht verlieren. Ich bin dann sehr ehrgeizig. Im Vergleich zu mir sind die meisten Teamkollegen ja noch sehr jung. Und die haben noch viel Luft nach oben. Und ich versuche, ihnen das auch zu vermitteln. Untereinander Scherze machen ist okay, aber wenn der Anpfiff erfolgt, dann sollte man sehr fokussiert sein. Ich kann das gar nicht leiden, wenn einer nicht konzentriert ist. Ich gebe auch im Training immer hundert Prozent.“

Auch Trainer Marco Zillken kennt die Vorzüge und Eigenheiten des dynamischen Außenverteidigers bestens: „An Ibis schätze ich vor allem seine menschliche Komponente außerhalb des Platzes. Er setzt sich sehr für die Gemeinschaft ein. Im Dialog ist er sehr reflektiert und man kann gute Gespräche mit ihm führen, auch über andere Themen des Lebens. Wenn er im Training oder Spielmodus ist, mag man das kaum glauben. Im Wettkampf explodiert er regelrecht und ist on fire. Ich glaube, das Verlieren können, ist nicht seine Stärke. Nach dem Training oder Spiel ist oftmals alles wieder gut.“

 

 

 

 

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